| Fahrtzeit: |
75 Minuten |
Die Carnatic liegt heute auf der Backbordseite parallel zum Riff von Sha?ab Abu Nuhas. Das Wrack gleicht einem Gerippe aus Spannten und Querträgern und ist in drei Teile zerbrochen. Am besten erhalten sind Heck und Bug, wobei am Vorschiff besonders die mächtige Ankerwinde, sowie die Halterung für den Bugspriet ins Auge fallen. Das Heck mit dem Ruder und der großen Schraube stellen weitere Attraktionen dar. Das Faszinierende am Wrack ist, neben seiner kathedralenartigen Atmosphäre, der dichte Bewuchs an Korallen aller Art. Hinzu kommt ein überzeugender Fischbestand, einschließlich großer Riffbarsche und imposanter Muränen im Schiffsinnern. Die Strömungen am Wrack sind moderat, bei starkem Wind ist kein Tauchen möglich. Die beste Tauchzeit sind die frühen Morgenstunden. Sehenswert sind der Bug und der Heckbereich mit Schraube und Ruder, Ankerwinde und Maschinenüberreste, so wie eine große Tischkoralle am Achterschiff auf einem Stahlträger.
Das Schiff:
Die Carnatic war ein typisches Dampfsegelschiff für die Zeit um 1860. Das Schiff wurde für die Peninsular & Oriental Steam in der Werft von Samuda Brothers erbaut und lief am 08.Dezember 1862 vom Stapel. Bei einer Länge von 89 m, einer Breite von 9 m und einem Tiefgang von 5,3 m hatte es 1776 Bruttoregistertonnen. Die Dampfmaschine (Firma Humphreys & Tennat) lieferte 1870 PS und verlieh dem Schiff eine Reisegeschwindigkeit von 12 Knoten. Das Schiff unternahm ihre Jungfernreise am 27. April 1863 von Southhampton aus nach Alexandria. Danach wurde sie im Linienverkehr zwischen Suez und Indien eingesetzt.
Der Untergang:
Ihre letzte Reise von Suez nach Bombay begann am 12. September 1869 (2 Monate vor Eröffnung des Suezkanals) mit 230 Menschen an Bord und einer Ladung, die unter anderem aus Wein- und Mineralwasserflaschen, Baumwolle, Kupferplatten und 40.000 Pfund Sterling in Gold bestand. Das Schiff stand unter dem Kommando des Kapitäns P.B. Jones. Die Fahrt endete bereits in der Nacht des 13. September gegen 01.30 Uhr, als das mit voller Kraft laufende Schiff auf das Riff Shab Abu Nuhas auflief. Bei glatter See und mondloser Nacht war das Riff, nicht auszumachen gewesen. Bei Lampenlicht wurde eine Inspektion des Schiffes unternommen und da der Schaden nicht allzu groß erschien, beschloss man, den Morgen abzuwarten. Dann wollte man versuchen, das Schiff wieder flott zu machen. Man wusste auch, dass ein weiteres Schiff der Reederei, die Sumatra, auf derselben Route unterwegs war. Die Passagiere, die die restliche Nacht an Deck verbracht hatten, erwarteten die Order, sich mit den Rettungsbooten zur nahe liegenden Insel Shedwan zu retten. Diese Order kam nicht und das Leben an Bord ging weiter wie "gewöhnlich" zu. Selbst die Mahlzeiten wurden zu den üblichen Zeiten serviert. Die Passagiere verbrachten eine weitere Nacht an Bord, aber in der Nacht wurde die See immer rauher. Dem Kapitän wurde jetzt klar, dass das Schiff verloren war. Am Morgen des 14. Septembers passierte dann das Unglück: Überlastet durch das eingedrungene Wasser und geschwächt durch das ständige Anprallen der Wogen, brach der Rumpf entzwei und der hintere Teil rutschte weg, versank und riss 27 Menschen mit sich. Die restlichen Passagiere konnten sich auf den Bug retten. Mit den verbliebenen Rettungsbooten erreichten sie die Insel Shedwan und wurden von der Sumatra gerettet.
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